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Egger müssen erneut über WC abstimmen

ZO/AvU, Lea Chiapolini 31.10.2017

Vor zwei Jahren haben die Egger Stimmbürger an der Gemeindeversammlung den Kredit für eine öffentliche WC-Anlage auf dem neuen Chilbiplatz abgelehnt. Im Dezember muss der Souverän erneut über das Thema abstimmen.

Karl Dülli-Loher beschreibt die momentane Situation in Egg als unhaltbar. «Es wird ein neuer, zentraler Platz in der Gemeinde gebaut – aber ohne öffentliches WC», sagt er. «Damit wird die Zentrumsfunktion nicht wahrgenommen.» Er stimmte an der Gemeindeversammlung im September 2015 für den Kredit für den neuen Chilbiplatz in der Höhe von 1,97 Millionen Franken plus 240’000 Franken für eine öffentliche WC-Anlage. Der Kredit wurde trotz grosser Diskussionen angenommen, die WC-Anlage jedoch mit 287 Nein- zu 120 Ja- Stimmen abgelehnt. Die Hauptargumente gegen das WC waren hohe Kosten für den Unterhalt und Sorgen wegen Vandalismus.

Mittlerweile sind die Bauarbeiten weit vorangeschritten, die Einweihung soll im Frühling erfolgen. Dülli-Loher hofft, dass bei dieser trotz Nein an der Gemeindeversammlung ebenfalls ein öffentliches WC präsentiert werden kann. Denn er hat eine Einzelinitiative eingereicht, die erneut eine öffentliche WC-Anlage auf dem Chilbiplatz fordert. Das Geschäft ist für die Versammlung im Dezember traktandiert.

Eine Umfrage bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen habe gezeigt, dass ein grosses Bedürfnis nach einer öffentlichen Anlage auf dem Chilbiplatz bestehe. «Vor allem Senioren oder Familien mit Kindern sind auf dieses Angebot angewiesen», sagt Dülli- Loher. «Manche Senioren können nicht mehr weit laufen und bei Familien muss es zum Teil auch schnell gehen.» Zwar gebe es etwa im Gemeindehaus oder im nahe gelegenen Restaurant Hirschen die Möglichkeit, eine Toilette zu benutzen, aber diese Angebote seien nicht immer zugänglich. «Auch das neue Café Luusmuus ist nicht immer geöffnet», sagt der Egger.

Eine Nachfrage bei der Bauherrenvertretung habe ergeben, dass ein WC ohne Probleme nachträglich eingebaut werden könnte, da die nötigen Anschlüsse bereits erstellt seien. «Der Gemeinderat hat wohl nur darauf gewartet, dass jemand das Thema wieder aufgreift», so Dülli-Loher. Er hat zudem den Kontakt zu Vertretern der Stadt Zürich gesucht. Deren Erfahrungen mit den anfallenden Kosten für den Unterhalt würden sich nicht mit der Summe von jährlich 26’000 Franken decken, die vor zwei Jahren vom Egger Gemeinderat genannt wurden. «Sie berichten von einem günstigeren Unterhalt, und sie betreiben hunderte solcher Anlagen», sagt Dülli-Loher. Auch in Greifensee koste der Unterhalt weniger, habe er recherchiert.

Obwohl Dülli-Loher davon überzeugt ist, dass die Unterhaltskosten für eine öffentliche Toilette tiefer sind als vom Gemeinderat budgetiert, nennt er in seinem Initiativtext keinen Kostenrahmen. In Absprache mit dem Gemeinderat hat er zugestimmt, dass für die Initiative von den Angaben für das abgelehnte Projekt von 2015 ausgegangen werden soll. Durch diverse bereits getätigte Vorarbeiten reduzieren sich aber die Investitionskosten. Darum musste der Gemeinderat die Zahlen trotzdem neu erheben.

Neu wurden als Investitionskosten 150’000 Franken berechnet. Das sind 90’000 Franken weniger als 2015. Als Folgekosten wird durch reduzierte Abschreibungen mit 47’000 statt 59’600 Franken gerechnet.

Dülli-Lohers Unterstellung, der Gemeinderat habe nur darauf gewartet, dass jemand das Thema wieder aufgreife, weist Gemeindeschreiber Tobias Zerobin zurück. «Für das Dach des Pavillons auf dem Chilbiplatz brauchte es einen Aufbau. Darin untergebracht ist auch ein disponibler Raum, der mit einem Wasseranschluss versehen ist und von einem Hausabwart genutzt werden könnte.» Theoretisch könnte darin auch eine öffentliche Toilette eingerichtet werden. Von einer geplanten Vorbereitung für dieses Angebot will er aber nicht sprechen.

«Auf reale Zahlen abstützen»

Obwohl dem Gemeinderat seit der Versammlung 2015 Klagen wegen fehlender WC-Gelegenheiten zu Ohren gekommen seien, verzichte er auf eine ausführliche Stellungnahme zur Initiative von Dülli-Loher. «Der Gemeinderat ist an den Willen der Gemeindeversammlung gebunden, welche das Vorhaben verworfen hat», sagt Zerobin. Es werde darum auf die Fakten verwiesen. «Es gibt gute Gründe für und gegen die WC-Anlage.» In der Gemeinde Egg stehen diverse, kostspielige Bauprojekte an. Deshalb müsse man alle neuen Investitionen auf ihre Notwendigkeit überprüfen.

Die von Dülli-Loher kritisierten Reinigungskosten seien aufgrund von Erfahrungen einer bereits bestehenden öffentlichen Toilette ermittelt worden. «Es ist möglich, dass der Unterhalt eines WCs im Zentrum günstiger ausfällt als in Esslingen», sagt Zerobin. «Aber wir müssen uns auf reale Zahlen abstützen.»

Stimmt die Gemeindeversammlung im Dezember der Einzelinitiative zu, müsste die Installation zügig voranschreiten, um gleichzeitig mit dem Chilbiplatz eingeweiht werden zu können. «Das wäre dann die Vorgabe, die eingehalten werden müsste», sagt Tobias Zerobin. «Vom Zeitplan her sollte dies möglich sein.»