> Zurück

Egg bekommt ein stilles Örtchen

ZO/AvU, Lea Chiapolini 06.12.2017

Im zweiten Anlauf entschied sich die Egger Gemeindeversammlung nun doch für ein öffentliches WC auf dem Chilbiplatz. Auch die restlichen fünf Traktanden wurden genehmigt.

«Wir haben es heute einfach», freute sich der Egger Gemeindepräsident Rolf Rothenhofer (parteilos), nachdem die ersten drei Traktanden an der Gemeindeversammlung problemlos durchgewunken wurden. Das Budget 2018, das bei einem Aufwand von 50,2 Millionen und einem Ertrag von 48,7 Millionen ein Minus von rund 1,5 Millionen Franken vorsieht, wurde einstimmig genehmigt. Der Steuerfuss bleibt bei 98 Prozent.

Auch der Antrag des Gemeinderates, bei der Umstellung auf das Rechnungsmodell HRM2 auf die Neubewertung des Verwaltungsvermögens zu verzichten, stiess auf keine Gegenwehr. Und bei der Genehmigung der neuen Gebührenverordnung gab es nach kurzer Diskussion lediglich eine einzelne Nein-Stimme.

Nachdem auch die Bauabrechnung für die Erstellung des Kunstrasenspielfeldes in der Kirchwies sowie für den Ausbau der Wasserversorgung Zone Esslingen – die jeweils eine Kreditunterschreitung verbuchen – genehmigt wurden, stieg die Anzahl der Voten beim letzten Traktandum: Die Einzelinitiative für eine öffentliche Toilette auf dem Chilbiplatz. Diese schien der Grund zu sein, warum die sonst jeweils eher spärlich besuchte Budget-Versammlung ganze 195 Egger Stimmberechtigte in den Hirschensaal gezogen hatte.

«Das isch gruusig!»

Initiant Karl Dülli-Loher stellte sein Begehren für die Erstellung einer öffentlichen WC-Anlage vor. Die anschliessenden Voten unterstützten seinen Antrag grösstenteils. «Egg nennt sich eine moderne Gemeinde, aber ohne öffentliche Toilette im Zentrum ist man nicht modern», sagte ein Egger. Die Ausweichmöglichkeiten im Gemeindehaus oder im Café Peter seien ungenügend, da nicht immer zugänglich. Nachdem er seine Ausführungen – «Ich könnte natürlich auch im Büelholz mein Geschäft verrichten! » – abgeschlossen hatte, erntete er Applaus. Gemeindepräsident Rothenhofer konnte es sich jedoch nicht verkneifen, vor einem Toilettenbesuch im Büelholzwald abzuraten.

Stefan Schmid, Präsident der Egger FDP, mahnte, die Gemeindeversammlung habe ein öffentliches WC auf dem Chilbiplatz bereits im Herbst 2015 abgelehnt. Er warnte vor dem Zeichen, das diese Einzelinitiative setze. «Es ist mühsam, wenn Entscheide der Gemeindeversammlung einfach wieder in Frage gestellt werden.» Zudem sei es nicht Aufgabe der Gemeinde, einen Ersatz zu bieten für das öffentliche WC, das die Forchbahn einst betrieben, jedoch wieder geschlossen hatte.

Eine Votantin fand klare Worte für die Initiative: «Ich finde es peinlich, dass wir überhaupt noch über dieses WC diskutieren, obwohl die Vorleistungen in Höhe von 90’000 Franken bereits erbracht wurden.» Die Garage unter dem Chilbiplatz habe mehrere Millionen Franken gekostet und werde kaum benutzt, und jetzt «chäre» man noch um 150’000 Franken. «Hier gehört ein WC hin und sonst muss das Gemeindehaus halt länger offen sein.» Eine andere Frau fügte enerviert an, es würden jeden Tag Personen beim Wohnheim Rosenau in den Garten pinkeln. «Das isch gruusig!»

Vergleich mit Neuseeland

Die Diskussion schien die Versammlung mehr und mehr zu amüsieren. Ein Votant erzählte sogar von einer Reise nach Neuseeland, wo er – von Darmproblemen geplagt – froh über die Hinweisschilder für Toiletten war. «So eine böse Darmgeschichte wünsche ich dem Herrn von der FDP hier nicht.» Nachdem sich noch ein weiterer Votant gegen die Einzelinitiative aussprach, da sie «demokratiepolitisch fragwürdig » sei, hiess die Versammlung die Einzelinitiative nach rund 20 Minuten Diskussion mit grosser Mehrheit gut.


 

proEGG bedankt sich bei allen, die den Weg an die Gemeindeversammlung gefunden und die Initiative unterstützt haben.