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Schulraumerweiterung spaltet die Gemüter weiter

ZO/AvU, Luca da Rugna 05.10.2018

An einem weiteren Informationsabend der Gemeinde konnten sich die Egger über die Schulraumplanung 2030 konkret informieren. Trotzdem bleibt es für einige Bürger schwer nachzuvollziehen, weshalb die Infrastruktur der Schulhäuser in Egg für die Zukunft nicht genügt.

Am 25. November steht die verschobene Abstimmung über die Erweiterung der Schulanlage Bützi bevor. 46 Millionen Franken stehen im Raum. «Wir befinden uns auf den letzten 100 Metern, da tauschen wir die Läufer nicht mehr aus», sagte Schulpräsidentin Beatrice Gallin am Mittwoch im Rahmen eines entsprechenden Informationsabends und verwies auf die Zusammenarbeit mit den früheren Mitgestaltern des Projekts. «Das ist ein Projekt der alten Schulpflege und des alten Gemeinderats sowie der neuen Schulpflege und des neuen Gemeinderats.» Damit verwies sie die Zuhörer im «Hirschen»-Saal auf die bereits abgeschlossene Planung der Schulraumplanung Egg.

Eigentlich hätte das Projekt bereits Ende September den Egger Stimmbürgern vorgelegt werden sollen. Doch ein unterlegener Mitbewerber hatte beim Verwaltungsgericht des Kantons Zürich eine Beschwerde eingereicht (wir berichteten). Diese wurde Anfang September jedoch abgewiesen.

Frühzeitig vorausschauen

«Es geht darum, die Hülle des künftig benötigten Schulraums zu definieren und frühzeitig vorauszuschauen. » Aus Sicht des Gemeinderats sind die Planungen für die Vision 2030 abgeschlossen. Schon vor der Präsentation wurden Interessierte darauf hingewiesen, dass die Schulraumplanung aufgrund des zu erwartenden Bevölkerungswachstums, der grösseren Schulklassen und des neuen Bildungssystems eigentlich alternativlos sei. Die künftig nötige Multifunktionalität der Räume wurde diesbezüglich hervorgehoben. Nun ging es erneut darum, die Bevölkerung mittels einer möglichst transparenten Informationsveranstaltung mit konkreten Einblicken in die Planung vom Projekt zu überzeugen.

«Früher reichten 40 Quadratmeter für ein Klassenzimmer und 2 Quadratmeter für einen Schüler aus, doch die Zukunft bringt Veränderungen», sagte der ehemalige Bauvorstand Silvano Murchini, der mit dem Projekt am meisten vertraut ist und von seiner Nachfolgerin Bettina Baumgartner (FDP) den Vorzug erhielt. «Heute arbeitet man nicht nur in Klassenzimmern, sondern braucht auch Gruppenräume und Lernlandschaften. Die Entwicklung im Lernprozess braucht mehr Platz.» Wie viele Räume in den kommenden Jahren effektiv gebraucht würden, sei noch nicht definierbar, doch der «veränderbare Schulraum » sei notwendig. Egg könne bis 2030 aber mit einem Bevölkerungswachstum von bis zu 6,5 Prozent rechnen.

Drei Turnhallen bauen

Das Projekt soll sich aus den drei Standorten der Schulhäuser Güetli, Leeacher und Bützi teils selbst tragen und ergänzen. Im in Hinteregg gelegenen Schulhaus Güetli würden für 690’000 Franken zusätzliche Räume für zwei Kindergärten geschaffen, um das Schulhaus Leeacher zu verkaufen. Diese Einnahmen würden gleich reinvestiert.

Das Schulhaus Bützi soll eine Dreifachturnhalle, 60 Parkplätze und ein neues Schulhaus erhalten, wobei effektiv nur zwei Hallen vonnöten sind. «Momentan ist das noch der Fall, aber wir brauchen definitiv zwei neue Turnhallen und können auch in der Zukunft mit Zulauf rechnen », so Murchini. Jetzt sei die Möglichkeit da, in einem Schritt gleich drei Turnhallen zu bauen. Eine zusätzliche Halle, die erst später dazukäme, würde sich im Hinblick auf die Kosten nicht lohnen. Bei zwei neuen Hallen würde die Gemeinde 1,65 Millionen sparen. Eine neue Halle wäre zu diesem Preis nicht zu haben. Zudem sei man mit dem neuen Projekt energietechnisch auf dem neusten Standard und könne auch im Bereich des Unterhalts mit grossen Kosteneinsparungen rechnen, so Murchini.

Die Investitionen im Schulhaus Bützi kosten die Gemeinde 22,6 Millionen Franken. Das Schulhaus Güetli soll zwar weiterhin bestehen bleiben, aber nur noch für Kindergartenklassen genutzt werden. Dies würde unvermeidlich Klassenrochaden und andere Schulwege für einzelne Schüler und Kindergärtler nach sich ziehen.

Kritische Fragerunde

An der anschliessenden Fragerunde zeigten sich einige Votanten kritisch, andere dagegen positiv. Mit Blick auf die für manche Schüler anders gelegenen Schulwege, verwies eine Votantin auf die Gefahr im Strassenverkehr und den Verlust des Bezugs zum eigenen Quartier. Eine Mutter erwähnte hingegen die erlernte Selbständigkeit ihrer Kinder, die einst ebenfalls vom Leeacher ins Güetli gehen mussten und so Sicherheit bekamen und Eigenverantwortung tragen durften.

Besonders für die Älteren im Saal war die Tatsache, sich für immer vom Schulhaus Leeacher zu verabschieden, ohnehin eine emotionale Sache. Ein Votant meinte: «Mir ist das ganze nach wie vor zu wenig transparent, und ich kann nicht nachvollziehen, weshalb alte Räume für den Unterricht ungeeignet sein sollen. » Auch der Neu- und Umbau von Lehrerzimmern stiess teils auf Unverständnis. Die Befürworter im Publikum verwiesen dagegen auf die klimatisch schlechten Bedingungen in Zimmern und Hallen. Der letzte Schulhausbau in Egg liege schliesslich 34 Jahre zurück. Und: Auch dem alten Chilbi- Platz habe man nachgetrauert, und heute sei man mit dem neuen Platz zufrieden.

«Mein Puls steigt. Ich kann sagen, dass ich vom Projekt vollständig überzeugt bin, und hoffe, dass wir es gemeinsam umsetzen können», sagte Beatrice Gallin zum Abschluss. Auch wenn man mit Wehmut zurückblicke, so könne auch in modernen Schulhäusern mit «Herz» unterrichtet werden.