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Bienenrettung wird Thema an den nächsten Gemeindeversammlungen

ZU/AvU, David Marti 05.10.2019

Mit Vorstössen in den Gemeinden wollen die Grünen des Bezirks Uster um den Greifensee die Artenvielfalt fördern. Dem Mönchaltorfer Gemeinderat geht das Anliegen aber zu weit.

Ein kleines Tier wird als Aufhänger zum Schutz der Artenvielfalt ins Feld geführt: die Biene. Denn sie ist namensgebend im Slogan der Einzelinitiative «Schutz der Artenvielfalt – rettet die Bienen» der Grünen des Bezirks Uster. Diese haben das Begehren in allen Gemeinden um den Greifensee eingereicht (siehe Box). Die Biodiversität sei in einem alarmierenden Zustand, heisst es im Initiativtext. Rund die Hälfte aller Arten und Lebensraumtypen seien heute in der Schweiz bedroht – dazu gehörten viele lnsekten wie Bienen, Schmetterlinge, Grashüpfer oder Libellen.

Auf Anfrage bei den Gemeinden hat nur der Gemeinderat Mönchaltorf den Stimmbürgern empfohlen, das Begehren abzulehnen. Dieser teilt mit, dass in der Gemeinde dem Schutz der Artenvielfalt bereits eine hohe Aufmerksamkeit entgegengebracht werde und es daher keine zusätzlichen speziellen Massnahmen benötige. Die Gemeinde engagiere sich schon seit vielen Jahren aktiv mit gezielten Projekten in den Bereichen Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz.

Verschiedene Einzelprojekte

Konkret investierte die Gemeinde in den letzten zwölf Jahren über 700'000 Franken in Einzelprojekte und zusätzlich jährlich über 45'000 Franken für laufende Aufgaben im Naturschutz. Das Geld floss unter anderem in die Renaturierung des Mettlenbachs, in das Projekt «Stocklen» der Greifensee Stiftung oder den Stegbau Bögliweiher/ Bruwinkel ein.

Gemeindepräsident Urs Graf (FDP) kritisiert auch die Vorgehensweise der Initiative: «Erst soll der Kredit bewilligt werden und erst dann wird entschieden, was mit dem Geld geschieht. Das halte ich für falsch.»

Eingereicht hat die Initiative in Mönchaltorf das Grüne Parteimitglied Salome Tschopp. «Die Reihenfolge halte ich für richtig», so Tschopp, «denn so können die Gemeindeverantwortlichen das Geld dort einsetzen, wo sie es für nötig halten.» Wichtig sei aber, dass das Geld tatsächlich für die Förderung der Artenvielfalt eingesetzt werde.

Über Biodiversität reden

Für die Grünen gebe es eben immer noch andere Themen als «nur» den Klimawandel, so Tschopp. Bienen seien ein gutes «Zugpferd», um auf den Schwund der Artenvielfalt hinzuweisen. «Vielen Leuten ist das Bienensterben noch präsent.» Das habe sie im Gespräch mit Mönchaltorfern gemerkt.

Sie habe aber auch schon eine gewisse Zufriedenheit beim Schutz der Mönchaltorfer Natur herausgehört: «Manche Leute sagen, dass wir am Greifensee schon ein grosses Naturschutzgebiet hätten und fragen, ob das nicht reiche», so Tschopp. In einem solchen Fall mache sie auf den Vogelartenrückgang aufmerksam, der wiederum auf das Verschwinden der Insekten zurückzuführen sei. «Es ist wichtig, dass über Biodiversität gesprochen werden, auch wenn das Anliegen an der Gemeindeversammlung nicht durchkommt», sagt Tschopp.

Über die Initiative können die Mönchaltorfer Stimmberechtigten am 2. Dezember abstimmen. Tschopp will keine Prognose dazu abgeben.


Besonderheiten in den Gemeinden

Verschiedene Personen haben Einzelinitiativen in den Gemeinden Greifensee, Schwerzenbach, Fällanden, Maur, Egg und Mönchaltorf eingereicht. Werden die Initiativen für gültig erklärt, was in allen Gemeinden (ausser Maur, wo die Überprüfung noch aussteht) geschehen ist, entscheiden die Stimmbürger an den Gemeindeversammlungen über einen Kredit – je nach Gemeinde – zwischen 210'000 und 250'000 Franken zur Förderung der Biodiversität. Mit diesem Geld soll von 2021 bis 2023 der «Anteil ökologisch wertvoller Flächen auf dem Gemeindegebiet erhöht und deren Vernetzung gefördert werden», wie es im Initiativtext heisst. Der Gemeinderat Egg hat einen Gegenvorschlag erarbeitet, welcher einen Kredit von 150'000 Franken statt der geforderten 250'000 Franken vorsieht. Dieser kommt zusammen mit der Einzelinitiative vor die Gemeindeversammlung. Ausgenommen von den Stimmbürgerentscheiden ist – zumindest vorerst – Dübendorf, wo das entsprechende Anliegen beim Stadtrat als Postulat in Bearbeitung ist und die Stadt Uster, in welcher über ein ähnliches Begehren in Form einer Motion zweier Gemeinderäte der Grünen demnächst im Parlament entschieden wird.