> Zurück

Im Egger Verkehrsstreit ist alles möglich

ZO/Avu, Benjamin Rothschild 21.03.2014

Die sogenannte «Spange» wurde vom Kantonsrat im Richtplan belassen. Der Ausgang des Egger Verkehrsstreits ist damit nach wie vor offen.

Der Montag, 10. März, begann für einige Eggerinnen und Egger früh: Um 6.45 Uhr besammelte sich eine ungefähr 20-köpfige Gruppe von Mitgliedern der Interessengemeinschaft Ortsdurchfahrt Egg (IG ODEgg) bei der Forchbahnstation im Egger Zentrum. Von dort ging es weiter Richtung Zürcher Rathaus, wo den vorbeigehenden Kantonsräten Flyer und Wasserflaschen mit auf den Weg gegeben wurden. Auf diese Weise versuchten die IG-Mitglieder die anstehende Richtplandebatte zu beeinflussen. Idee: Die als «Spange» bezeichnete Ortsdurchfahrt von Egg sollte mit «Egger Löschwasser» aus dem Richtplan gelöscht werden.

«Die Bevölkerung hat die Wahl»

Bei einer Mehrheit der Kantonsräte zeigte diese Aktion ganz offensichtlich keine Wirkung: In der Schlussabstimmung vom vergangenen Dienstag wurde ein Minderheitsantrag auf Streichung der Ortsdurchfahrt aus dem Richtplan mit 91 zu 81 Stimmen abgelehnt. Enttäuscht über diesen Ausgang mag Katharina Kunz von der IG ODEgg nicht sein: «Wir sind nicht davon ausgegangen, dass die ‹Spange› tatsächlich aus dem Richtplan fliegt. Mit der Aktion wollten wir vor allem auf unsere Position aufmerksam machen.»

Tatsächlich hat der Entscheid des Kantonsrats, die «Spange» im Richtplan zu belassen, keine präjudizielle Wirkung auf den Egger Verkehrsstreit. Anders wäre dies de facto gewesen, wenn er die Ortsdurchfahrt aus dem Richtplan gestrichen hätte. «In diesem Fall hätte man diese Variante wohl beerdigen können», meint Tobias Zerobin. Der Gemeindeschreiber von Egg zeigt sich deshalb über den Entscheid des Kantonsrats erleichtert: «Die Bevölkerung hat nun die Wahl», meint er.

Neben der «Spange», die eine Verkehrsumleitung von der Forchstrasse in die Neue Meilenerstrasse – eine Quartierstrasse – vorsieht, stehen auch noch die sogenannte Tunnelvariante sowie die Variante Null Plus im Raum. Letztere beinhaltet einen Verzicht auf eine Verkehrsabwicklung über die Neue Meilenerstrasse und sieht stattdessen eine Anpassung der Forchstrasse vor. Eine solche Lösung bevorzugt die IG ODEgg, während ihr rund 1360 Egger ablehnend gegenüberstehen. Diese hatten im Winter 2012 die Petition «Attraktives Dorfzentrum in Egg» unterschrieben. Sie befürchten, dass das Dorf in zwei Teile gespalten wird, wenn der Verkehr im Sinn der Variante Null Plus weiterhin durch das Zentrum fliesst.

Abstimmung im September

In rund zwei Wochen wird der Egger Gemeinderat die Vorstudien zu sämtlichen drei Varianten erhalten. Ob er der Gemeindeversammlung dereinst wirklich alle Varianten vorlegen wird, ist noch offen. «Es kann sein, dass sich eine Variante als technisch nicht machbar oder unfinanzierbar erweist», so Zerobin.

Die entscheidende Abstimmung über die Egger Ortsdurchfahrt wird voraussichtlich im September über die Bühne gehen. Einst war sie auf den kommenden Juni terminiert.