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Rückschlag für Glockenbefürworter

ZO/AvU, Benjamin Rothschild 28.06.2014

Die Bezirkskirchenpflege Uster hat über Rekurse im Egger Glockenstreit entschieden. Das Argument, wonach eine Reduktion der Glockenschläge die Religionsfreiheit einschränke, teilt sie nicht.

Wer sich für einen kulturgeschichtlichen Abriss des Glockengeläuts interessiert, kann dem Beschluss der Bezirkskirchenpflege Uster Interessantes entnehmen: So erfährt man unter anderem, dass «Glocken seit dem frühen Christentum zum Musikinstrumentarium der Kirche gehören» oder dass das Glockengeläut im 8. Jahrhundert von Irland aus in die Schweiz gebracht worden sei. Weiter wird die Frage aufgeworfen, ob der Stundenschlag zum «sakralen oder profanen Bereich des Glockengeläuts» zu rechnen sei.

Für den Egger Glockenstreit relevant dürfte aber vor allem die Einschätzung sein, wonach die revidierte Läuteordnung der Egger Kirchenpflege unter dem Aspekt der Religionsfreiheit nicht zu beanstanden sei. Entsprechende Rekurse wurden abgewiesen.

Ein frommer Wunsch

Die revidierte Läuteordnung sieht unter anderem vor, dass die Viertelstundenschläge in der Nacht abgeschafft werden sollen und auch am Sonntagmorgen um 8 Uhr nicht mehr geläutet werden soll.

Mit dem angepassten Reglement wollte die Egger Kirchenpflege einen Kompromiss schaffen: Sowohl die, die sich durch den Glockenlärm gestört fühlten, als auch diejenigen, für die das Geläute zum Dorfleben gehört, hätten mit der neuen Läuteordnung zufriedengestellt werden sollen. Ein frommer Wunsch, wie sich schon bald herausstellen sollte: Sowohl von Glockenbefürwortern als auch von Glockengegnern gingen Rekurse gegen das neue Läuteregime ein.

Mit dem Beschluss vom 25. März erteilt die Ustermer Bezirkskirchenpflege nun vor allem den Argumenten der Glockenbefürworter eine Absage. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit sei insbesondere deshalb nicht verletzt, weil durch die Läuteordnung das Glockengeläute anlässlich der Gottesdienste und auch der Stundenschlag nicht eingeschränkt worden seien.

«Keine Kompromisse mehr»

Enttäuscht ob dieses Entscheids zeigt sich Erich Haller. Er wohnt in Egg und zählt zum Kreis der Glockenbefürworter: «Ich bin über den Beschluss nicht erfreut. Die Kirchenpflege darf nun auf keinen Fall weitere Kompromisse eingehen.» Haller macht sich Sorgen, dass die Läuteordnung nun im Sinn der Glockengegner weiter eingeschränkt wird und die Glockenschläge weiter reduziert werden.

Tatsächlich beabsichtigten einige Rekurrenten genau dies: Sie fordern, dass auch die Stundenschläge in der Nacht abgeschafft werden und dass das Einläuten des Samstags- und des Sonntagabends verkürzt wird. Als entscheidendes Argument führen sie eine ETH-Studie ins Feld, die festhält, welche Aufwachreaktionen Kirchenglocken verursachen. In Egg werde das zulässige Mass bei Weitem überschritten.

Auf die Argumentation der Glockengegner trat die Bezirkskirchenpflege indes nicht weiter ein, da das von ihr anzuwendende kirchliche Recht gar keine Lärmschutzvorschriften enthält. Für entsprechende Fragen ist die Politische Gemeinde die zuständige Instanz. Allerdings lässt die Bezirkskirchenpflege in ihrem Beschluss durchblicken, dass sie den Stundenschlag – anders als die Viertelstundenschläge – als von der Religionsfreiheit geschützt erachtet.

Rechtliche Schritte angedroht

Die Bezirkskirchenpflege spricht einem gegen ihren Entscheid erhobenen Rekurs die aufschiebende Wirkung ab. Dies bedeutet, dass die revidierte Läuteordnung nun Wirkung entfalten kann. Die aufschiebende Wirkung wurde von der

Rekurskommission der Landeskirche allerdings bereits in einem Entscheid vom 19. Mai entzogen. Dennoch hat die

Egger Kirchenpflege die neue Läuteordnung bis heute nicht umgesetzt. Auf ihrer Homepage begründete sie dies damit, dass «ein Hin und Her durch das Umsetzen von Änderungen der Läuteordnung in kurzen Zeitabständen für Betroffene in der Bevölkerung eine grosse Belastung sein kann und nach Möglichkeit vermieden werden sollte».

Gemäss Glockengegner-Anwältin Korinna Fröhlich eine unhaltbare Argumentation: «Die Kirchenpflege hat keinen Spielraum, wenn ein entsprechender Entscheid vorliegt. Setzt sie die neue Läuteordnung nicht um, stellt dies ein Fall von Rechtsverweigerung dar.» Fröhlich hat der Kirchenpflege Egg eine Frist bis 1. Juli gesetzt, um das neue Reglement umzusetzen. Geschieht dies nicht, will sie rechtlich gegen die Kirchenpflege vorgehen.

Kirchenpflegepräsidentin Esther Feller erachtet es als «vertretbar, die neue Läuteordnung nach Möglichkeit im Lauf des nächsten Monats umzusetzen». Im Gegensatz zum Entscheid vom 19. Mai würden nun nämlich Entscheide in der Sache selbst – und nicht bloss ein Zwischenentscheid – vorliegen. Es sei ihr aber ein Anliegen, «die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass die neue Läuteordnung nach wie vor nicht rechtskräftig ist und nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese wieder geändert werden muss», so Feller weiter.