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Egger favorisieren die «Nullvariante»

ZO/AvU, Benjamin Rothschild 29.09.2014

Die Egger Bevölkerung lehnt sowohl die Variante «Ortskernumfahrung oberirdisch» als auch die Variante «Verkehr durch das Zentrum» ab. Die Interessengruppen im Dorf ziehen aus dem Resultat unterschiedliche Schlüsse.

Gemeindepräsident Rolf Rothenhofer (parteilos) ist enttäuscht: «Die Egger Bevölkerung hat eine Chance verpasst.» Vor der Abstimmung hatte der Egger Gemeinderat im Falle einer Ablehnung beider Verkehrsführungsvarianten von einem Worst- Case-Szenario» gesprochen. Dieses ist nun eingetreten.

Mit 2727 Nein- zu 796 Ja-Stimmen haben die Egger die Variante «Verkehr durch das Zentrum» abgelehnt. Laut ihr hätte der Durchgangsverkehr wie bis anhin über die Forchstrasse geführt werden sollen.

Gemäss der Variante «Ortskernumfahrung oberirdisch», auch «Spange» genannt, hätte der Verkehr von der Forchstrasse über die Neue Meilenerstrasse im Oberdorf umgeleitet werden sollen. Hierfür hätte ein neuer Strassenabschnitt von rund 150 Meter Länge errichtet werden müssen. Die Forchstrasse wäre bei Annahme dieser Variante zur Gemeindestrasse abklassiert und vom Verkehr beruhigt worden. Auch die Variante «Ortskernumfahrung oberirdisch» wurde von der Egger Bevölkerung – wenn auch weniger deutlich – mit 2072 Nein- zu 1528 Ja-Stimmen abgelehnt. Die Stimmbeteiligung lag bei für Egg rekordverdächtigen 66,74 Prozent.

«‹Spange› muss jetzt weg»

Der Egger Gemeinderat trat im emotional geführten Abstimmungskampf als Befürworter der Ortskernumfahrung auf. Mit der Zentrumsvariante hätte er ebenfalls leben können, weil dann die Forchstrasse verbreitert worden wäre und dies die Schaffung von Fussgängerstreifen mit Mittelinseln ermöglicht hätte. Das doppelte Nein bedeutet nun, dass die Forchstrasse weder verkehrsberuhigt noch verbreitert wird. Aufgrund der Sanierungspläne der Fochbahn werden zwei Bahnübergänge im Egger Zentrum geschlossen.

Erleichtert über das Abstimmungsergebnis zeigt man sich bei der Interessengemeinschaft Ortsdurchfahrt Egg (IG OD Egg). Diese machte sich im Vorfeld der Abstimmung gegen die Ortskernumfahrung und für die Zentrumsvariante stark. «Die Egger Bevölkerung hat erkannt, dass die Ortskernumfahrung keine gute Lösung ist», meint IG-Mitglied Katharina Kunz. Eine Annahme der Zentrumsvariante hätte sie vor allem deshalb begrüsst, weil in diesem Fall die Ortskernumfahrung aus dem kantonalen Richtplan gestrichen worden wäre. Kunz fordert vom Egger Gemeinderat, dass er sich nun für eine Streichung der «Spange» einsetzt: «Der Stimmbürger hat heute klar zum Ausdruck gebracht, dass er im Dorf keine neue Strasse will.»

Gleiches fordert auch Sergio Oesch von der Dorfpartei Pro Egg. «Die ‹Spange› muss jetzt weg», sagt er. Anders als die IG OD Egg hatte die Partei Pro Egg die Ablehnung beider Varianten empfohlen. Pro Egg befürchtete unter anderem, dass eine grossräumige Umfahrung der Gemeinde bei Annahme einer Variante hinausgezögert worden wäre. Das nun eingetretene Abstimmungsergebnis bietet laut Oesch «die besten Chancen für eine gute, zukunftsträchtige Lösung der Verkehrsfrage».

Stichfrage pro «Spange»

Anders als Kunz und Oesch kommentiert Patrik Thalparpan das Abstimmungsergebnis. Im Abstimmungskampf hatte er sich innerhalb der Gruppe für ein «attraktives Dorfzentrum» für die Variante «Ortskernumfahrung oberirdisch» eingesetzt. «Die Ortskernumfahrung erhielt deutlich mehr Ja-Stimmen als die Zentrumsvariante», sagt er. Tatsächlich sprachen sich die Egger auch bei der Stichfrage mit 1687 zu 1457 Stimmen für die Ortskernumfahrung aus. Die Stichfrage hätte allerdings nur dann den Ausschlag gegeben, wenn beide Varianten angenommen worden wären.

Patrik Thalparpan möchte die «Spange» im Richtplan belassen. «Die Bevölkerung will nicht, dass der Verkehr in Zukunft durch das Egger Zentrum führt», sagt er. Er favorisiert nun einen «grossen Kreisel»: Laut ihm soll der von Meilen kommende Verkehr über die Forchstrasse fliessen, der Verkehr Richtung Meilen dagegen über die verlängerte Neue Meilenerstrasse abgewickelt werden. Die Ortskernumfahrung soll laut Patrick Thalparpan also doch noch realisiert werden, allerdings nur eine Spur aufweisen.

Gemeindepräsident Rolf Rothenhofer möchte sich derzeit nicht mit solchen Gedankenspielen auseinandersetzen. Oberste Priorität habe nun, gemeinsam mit dem Kanton und der Forchbahn, die Forchstrasse so sicher wie möglich zu gestalten. Ob die «Spange» im kantonalen Richtplan verbleibe oder nicht, sei Sache des Kantonsrats. Die nächste Richtplanrevision steht erst im Jahr 2025 an.