> Zurück

Kampfwahl für das Friedensrichteramt

ZO/AvU, Katarzyna Suboticki 07.02.2015

In Egg kommt es am 8. März zu einer Kampfwahl zwischen dem amtierenden Friedensrichter Kurt Pfister und seinem Herausforderer Andreas Bernatschek.

Seit knapp sechs Jahren ist Kurt Pfister Friedensrichter in Egg. Und er möchte vieles dieser Zeit nicht missen: Die Begegnungen mit Menschen, die es nicht leicht hatten im Leben und trotzdem hilfsbereit, zuverlässig, anständig und glücklich sind. Die Erkenntnis, dass es keine unlösbaren Konflikte gibt, ausser wenn eine oder beide Parteien das Streiten erstrebenswerter finden. Und die Anerkennung, wie persönliche Dankesschreiben von ehemaligen Klienten. So ist es nicht verwunderlich, dass der 62-jährige pensionierte Pilot aus Esslingen wieder kandidiert.

Mit Freude an der Arbeit

«Ich bin mit Leib und Seele Friedensrichter. Ich liebe diese sinnvolle Aufgabe und Herausforderung. » Da er keine anderen Verpflichtungen habe und seine Zeit frei einteilen könne, sei dieses Teilzeitamt wie auf ihn zugeschnitten.

Sein Herausforderer, der 47-jährige Jurist Andreas Bernatschek, sieht das Amt ebenfalls als ideal für ihn: «Die Prinzipien des Vermittelns und Schlichtens, wie sie ein Friedensrichter anwendet, entsprechen meiner Rechtsauffassung − gerechte und nachhaltige Konfliktlösungen werden eben am besten durch Einsicht und Übereinkunft der Streitparteien erreicht. » Zudem ist er der Meinung, dass das Engagement in der Wohngemeinde eine ehrenvolle und wichtige Aufgabe ist.

Bernatschek studierte in St. Gallen und Zürich Ökonomie und Rechtswissenschaft und schloss 1998 mit dem Lizenziat in Zürich ab. Seither arbeitet er als selbständiger Jurist, führt für Klienten Verhandlungen und gestaltet Verträge, mehrheitlich im Bereich des Gesellschafts- und Urheberrechts. Ausserdem ist er als Produzent und Verleiher von Filmen unternehmerisch tätig. «Ich denke, das Leiten von Verhandlungen bedingt vor allem vermittlerisches Geschick.» Normalerweise könne keine Partei die Konditionen diktieren, insofern müssten Kompromisse gefunden werden, mit denen beide Seiten gut leben können – und das sei der Funktion des Friedensrichters sehr ähnlich.

Wertvolle Begegnungen

Kurt Pfister sieht in seiner beruflichen Laufbahn viele hilfreiche Stationen. Nach seiner Erstausbildung als Maschineningenieur HTL besuchte er die Schweizerische Luftverkehrsschule SLS und arbeitete als Bordmechaniker, Pilot und Flugkapitän bei der Swissair. Nach dem Grounding konnte er seine Karriere als Pilot und Flugkapitän bei der Swiss International Airlines abschliessen.

«Seit das Flugzeug zum Massentransportmittel wurde, ist Konfliktbewältigung auch in der Fliegerei ein Thema. So lernte ich an mehreren Weiterbildungen, Konflikte zu analysieren und damit umzugehen.» Prägend seien für ihn auch die sechs Jahre als Bordmechaniker gewesen. «Dieser Beruf war mit vielen, bis zu vierzehntägigen Auslandabwesenheiten irgendwo auf der Welt verbunden. In dieser Zeit stellte ich fest, dass öfters Besatzungsmitglieder bei mir Rat suchten, wenn sie privat Probleme hatten. Dieses Vertrauen spürte ich dann auch als Kapitän.» Er glaube auch, dass ihm die Begegnungen mit den verschiedenen Menschen im Ausland und mit der Besatzung helfen, mit den unterschiedlichsten Situation und Menschen zurechtzukommen.

«Ich habe einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, bin geduldig, unabhängig und belastbar. » Seit 2013 besucht Pfister die Ausbildung zum Friedensrichter in Luzern, im Mai bekommt er das eidgenössisch anerkannte Diplom als Friedensrichter der Hochschule Luzern. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Söhne.

Gereifte Idee

Für Andreas Bernatschek ist die Idee der Kandidatur nicht ganz überraschend. «Am Anfang meines Studiums habe ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, Richter zu werden, aber gegen Studienende schien mir eine Berufstätigkeit in der Privatwirtschaft attraktiver», sagt der Egger. Letzten Herbst habe ihn ein befreundeter Nachbar konkret angefragt, ob er sich die Ausübung des Friedensrichteramts vorstellen könnte.

Sich selber zu bewerben, fände er immer ein wenig problematisch. «Meiner Ansicht nach verlangt das Friedensrichteramt ein Grundmass an Rechtskenntnis, Unvoreingenommenheit und Unparteilichkeit sowie Erfahrung in allen Lebenslagen, dazu eine Portion Verhandlungsgeschick und Menschengespür. Viele dieser Eigenschaften habe ich durch meine Ausbildung und berufliche Tätigkeit erworben.» Nicht zu unterschätzen sei der Umstand, dass er seit 20 Jahren verheiratet und Vater dreier Söhne sei (der Älteste ist 18) – «Da hat man doch einiges an Konflikten erlebt und an deren Lösungen mitgestaltet.»

Wie Kurt Pfister ist Andreas Bernatschek politisch unabhängig. «Meine Positionen sind sachbezogen und unparteiisch.»

 


 

Kurt Pfister (bisher)

Andreas Bernatschek (neu)

«Ich bin
mit Leib und Seele
Friedensrichter.»

«Meine
Positionen sind
sachbezogen und
unparteiisch.»