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Erste Hilfe für Hinteregg

ZO/AvU, Lea Müller 19.03.2015

Im Egger Ortsteil Hinteregg schlossen in den letzten Jahren einige Geschäfte. Darunter waren unter anderen die Post und drei Restaurants. Eine Gruppe Hinteregger will den verbleibenden Angeboten nun zu Aufschwung verhelfen.

Ernst Schenk startet jeweils mit einem Kaffee in der Volg-Cafeteria in Hinteregg in den Tag. Er zog vor rund 50 Jahren in den Ortsteil von Egg und gehört nach eigenen Angaben bereits «zum Inventar». Vor Kurzem rief er die Gruppe Für ein attraktives Hinteregg ins Leben. Diese setzt sich dafür ein, dass die Angebote in Hinteregg vermehrt genutzt werden. Neben der Post mussten bereits drei Restaurants dichtmachen. Die noch vorhandene Bäckerei Bürgler zieht im Sommer ebenfalls weg. «An einen attraktiveren Standort», wie es Inhaber Anton Bürgler formuliert. «Von den früher diversen Möglichkeiten, wo man sich jederzeit treffen oder einkaufen konnte, sind nur noch zwei übrig geblieben: das Restaurant Grütli und der Volg», sagt Schenk. «Wir wollten nicht nur sitzen und warten, bis etwas passiert, sondern aktiv anpacken.» Die Gruppe besteht aus sechs Mitgliedern. Mit ihrem ersten Projekt setzen sie den Fokus auf den Volg.

Metzgerei aufgehoben

Dieser wurde vor rund zehn Jahren umgebaut – die Frischfleisch- Metzgerei wurde im gleichen Zug aufgehoben. Mit 800 Fragebögen, die in Hinteregg verteilt wurden, wollen Schenk und sein Team nun herausfinden, ob das Bedürfnis nach einer Frischfleisch-Metzg noch besteht. Die Fragebögen können bis nächsten Samstag, 21. März, in eine beim Volg bereitstehende «Wahlurne» gelegt werden. Auf dem Fragebogen fordert die Gruppe die Hinteregger gleichzeitig auf, das Restaurant «Grütli» vermehrt zu besuchen. «Das Restaurant hat eine harte Zeit hinter sich», sagt Schenk. «Das Wirtepaar gibt sich Mühe, das ‹Grütli› in Schwung zu bringen. » Dafür brauche es aber Gäste.

Die Hinteregger Volg-Filiale wir von der Landi Mittlerer Zürichsee betrieben. «Ende März werten wir gemeinsam mit den Vertretern der Landi die Ergebnisse der Umfrage aus», sagt Schenk. Die Landi ihrerseits schätzt den Einsatz der engagierten Hinteregger. «Wir würden es sehr begrüssen, wenn wieder eine Metzgerei in den Volg integriert werden könnte», sagt Andreas Schaad, Geschäftsleiter der Landi Mittlerer Zürichsee. Auch eine Bäckerei wäre willkommen. Die Ladenfläche würde sowohl für eine Metzgerei als auch eine Bäckerei ausreichen. In anderen Filialen funktioniere die Zusammenarbeit mit internen, selbständigen Betreibern bereits bestens. «Wir verkaufen dann zwar weniger eigene Volg-Produkte, die Attraktivität des Ladens steigt dafür», sagt Schaad. «Davon können alle profitieren.»

Dadurch, dass sich im Volg in Hinteregg bereits einmal eine Metzgerei befand, wären viele der nötigen Anschlüsse bereits vorhanden. «In einigen Räumen wären allerdings noch Anpassungen nötig, um den heutigen Vorschriften zu entsprechen», sagt Schenk. Ihm selber gehört ein Teil der Liegenschaft, in dem sich der Volg befindet. «Es müsste nur noch ein Metzger gefunden werden, der bereit ist, sich einzumieten.» Der Vermieter wäre dabei nicht die Landi, sondern Schenk selber.

Das «Lädelisterben» betrifft nicht nur den Ortsteil Hinteregg. Im letzten Herbst schloss zudem mit der Metzgerei Alder im Dorfzentrum die letzte selbständige Metzg der Gemeinde. Als Grund nannte Heinz Alder damals den Zuzug der Migros mit einer integrierten Metzgerei nach Egg vor fünf Jahren. Vor drei Jahren kam noch eine Coop-Filiale dazu. «Man ist den Grossverteilern mehr und mehr ausgeliefert», sagt Schenk. «Oftmals merkt man erst, wie wertvoll ein Angebot war, wenn man es nicht mehr hat.»

Treue Kunden für Volg

Auch der Volg in Egg musste letzten Herbst seine Türen schliessen. Grund dafür waren neben dem Kundenrückgang ein anstehender Umbau und die Zentrumsverlagerung auf die andere Seite der Forchbahn. Seitdem ist laut Andreas Schaad der Umsatz der Hinteregger Volg-Filiale merklich gestiegen. «Dies zeigt, dass der Volg treue Kunden hat», meint Ernst Schenk. Diese seien allerdings eher «ältere Semester». Junge Neuzuzüger bräuchten wohl noch etwas Zeit, um Wurzeln zu schlagen. Die Ausrede, der Volg sei im Gegensatz zu Coop und Migros zu teuer, lässt er dabei nicht gelten. «Ich kenne viele, die mit dem Auto bis nach Zumikon fahren, um in der Migros einzukaufen», sagt er. «Doch wer die Zeit für den Weg und die Kosten für das Auto nicht mitrechnet, macht den Vergleich nicht vollständig.»

«Erneut zusammensitzen»

Wenn die Umfrage zeigen sollte, dass kein Bedürfnis für eine neue Metzgerei besteht, würde sich Schenk trotzdem weiter für die Belebung Hintereggs einsetzen. «Natürlich wäre ich enttäuscht. Aber dann müssen wir einfach erneut zusammensitzen und uns etwas Neues überlegen.» Er selber tätigt nach eigenen Angaben seine Einkäufe zu 99 Prozent im Volg. «Es gibt eine einzige Päcklisuppe, die meine Frau und ich besonders gerne mögen – die müssen wir anderweitig kaufen», gibt er lachend zu.