> Zurück

Egger Abfallsystem in der Kritik

regio.ch, Lea Müller 09.04.2015

Das neue Abfallsystem, das in Egg im Januar in Kraft trat, sei schlecht für die Umwelt. Diese Kritik übt eine Eggerin. Die Gemeinde gibt jedoch Entwarnung.

Seit Januar ist die Gemeinde Egg jeweils am Donnerstag blau getupft. An Strassenrändern und -ecken türmen sich die Egger Säcke, bereit zur Entsorgung. Der Gemeinderat führte den blauen Gebührensack Anfang Jahr ein, gleichzeitig übernahm die Firma Frei Logistik und Recycling AG aus Kloten die Kehrichtabfuhr von der Oetwiler Firma Grimm AG. Kathrin Molinari, die in Esslingen wohnt, kann beiden Neuerungen wenig Gutes abgewinnen. «Die Säcke sind von minderer Qualität», meint sie. «Jeder zweite Sack geht trotz vorsichtigem Umgang kaputt.» Damit werde sie gezwungen, mehr Säcke zu kaufen. «Ich versuche, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten. Wenn ich aber dauernd einen zweiten Sack brauche, ist das fast unmöglich.»

10 Millionen Säcke pro Jahr

Die Gebührensäcke werden von der Egger Firma FO-Security hergestellt. Diese beliefert unter anderem auch die Städte Bern und Winterthur. Michael Alarcon, Geschäftsbereichsleiter von FO-Security, sieht sich allerdings selten mit Beschwerden konfrontiert. «Wir produzieren weit über zehn Millionen Abfallsäcke pro Jahr. Die Qualität wird regelmässig geprüft und entspricht den Angaben des Schweizer Städteverbands.» Werde ein Sack zu fest gefüllt, könne er natürlich reissen. Dass sie die Einzige mit dem Problem ist, sei falsch, sagt Kathrin Molinari. «Ich habe mein Umfeld befragt. Andere sind gleicher Meinung.» Dass neu die Firma Frei für die Abfallsammlung zuständig ist, hält sie aber für das noch grössere Problem. «Es ist eine Katastrophe, dass die Fahrzeuge extra 30 Kilometer aus Kloten anreisen, um unseren Abfall abzuholen. Somit wird die Umwelt noch mehr belastet», sagt sie. «Die Gemeinde Egg soll sich bei der nächsten Auftragsvergabe überlegen, was wichtiger ist: Geld oder Umwelt.»

Dem Günstigsten verpflichtet

Dies sei laut Tobias Zerobin, Gemeindeschreiber von Egg, einfacher gesagt, als getan. «Die Suche nach einem neuen Unternehmen für die Abfuhr wurde gemäss Submissionsverordnung ausgeschrieben», sagt er. «Damit sind wir gebunden, den günstigsten Anbieter zu verpflichten.» Die Sorgen von Kathrin Molinari könne er jedoch relativieren. «Die Firma Frei hat zwar ihren Firmensitz in Kloten, die Fahrzeuge fahren aber jeweils nicht den ganzen Weg.» Auch die Stadt Uster werde von der Firma Frei betreut, darum seien auch Fahrzeuge dort stationiert. «Diese bringen den Abfall wie zuvor die Firma Grimm in die Verbrennungsanlage in Hinwil.» Die ersten drei Monate mit dem neuen Abfallsystem haben gemäss Zerobin grundsätzlich gut funktioniert. Dass seit Anfang Jahr Gebührensäcke eingesetzt werden, habe aber nichts mit der Firma Frei zu tun. «Diese Entscheidung fiel unabhängig vom neuen Entsorgungsunternehmen.»

 

Gemäss Molinari reissen die Säcke auch an den Nähten.