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Gemeinde will verdichtetes Bauen im Lindenhof

ZO/AvU, Lea Müller 24.02.2016

Die Gemeinde Egg will die Entwicklung von Neubauten im Gebiet Lindenhof mit einem öffentlichen Gestaltungsplan regeln. Anfang März findet die erste Versammlung der Grundeigentümer statt.

Das Gebiet Lindenhof im Egger Ortsteil Hinteregg umfasst eine unüberbaute Fläche von 1,5 Hektaren sowie drei schützenswerte Bauernhäuser. «In Egg ist dies das zweitgrösste zusammenhängende Baulandpotenzial», sagt Gemeindeschreiber Tobias Zerobin. «Nur im Oberdorf gibt es ein noch grösseres, unbebautes Gebiet.»

Heute stehen die Häuser im Gebiet Lindenhof, das direkt neben der Forchbahn-Haltestelle Hinteregg liegt, noch weit verteilt. Die Gemeinde strebt aber verdichtetes Bauen an. «Die Verdichtung an gut erschlossenen Lagen entspricht den allgemeinen Zielen der Raumplanung», sagt Zerobin. Dafür notwendig ist ein öffentlicher Gestaltungsplan. Dieser legt unter anderem Anzahl, Grösse und Höhe von möglichen Neubauten fest. Seit Anfang Februar liegt ein erster Entwurf im Egger Gemeindehaus auf (siehe Box). «Die Vorschriften der Bau- und Zonenordnung genügen nicht, um die angestrebte verdichtete Bebauung zu realisieren und um die Vorstellungen zum respektvollen Umgang mit der bestehenden Gebäudesubstanz durchsetzen zu können», heisst es in den Unterlagen. Um die Erschliessung gemäss Bebauungskonzept der Gemeinde Egg zu regeln und die Parzellierung neu festzulegen, hat die Baubehörde parallel zum Gestaltungsplan einen Quartierplan erstellt. Diese beeinflussen sich gegenseitig.

Rekurse im Vorfeld

Die Gemeinden können gemäss Planungs- und Baugesetz einen öffentlichen Gestaltungsplan festsetzen, wenn daran ein wesentliches öffentliches Interesse besteht. Dass dies auch in Hinteregg der Fall ist, begründet die Gemeinde unter anderem mit der Lage in der Kernzone II und der eigentlichen Zentrumslage in Hinteregg in unmittelbarer Nähe der Forchbahn-Haltestelle. «Zusätzlich muss bei einer Überbauung auf die drei Inventarobjekte Rücksicht genommen werden», sagt Zerobin.

Genau dieses öffentliche Interesse wurde jedoch im Vorfeld von zwei Rekurrenten bemängelt. Nach einem Augenschein vor Ort durch eine Abteilung des Baurekursgerichts des Kantons Zürich und die Beschwerdeführer konnte das Verfahren jedoch sistiert werden. «Die Rekurrenten streben eine gütliche Regelung mit der Gemeinde Egg an», sagt Zerobin. «Diese Regelung kann darin bestehen, dass für eine bestimmte Liegenschaft innerhalb des Gestaltungsplans eine massgeschneiderte Lösung festgesetzt wird, welche im Interesse beider Rekursparteien stünde.»

Erste Anläufe gescheitert

Bei der Ausarbeitung von Quartier- oder Gestaltungsplan seien die Grundeigentümer bisher nicht aktiv mit einbezogen worden. Anfang März ist die erste Grundeigentümerversammlung zum Quartierplan Lindenhof vorgesehen. Insgesamt sind über 20 Parteien am Gebiet beteiligt – 3 davon mit grossem Landanteil, andere nur als Stockwerkeigentümer. «Es hat in der Vergangenheit schon Anläufe von Privaten gegeben, das Gebiet zu überbauen», sagt Zerobin. «Diese haben aber alle nicht geklappt.» Nun sei es die Aufgabe der Gemeinde, neue Grundlagen zu schaffen.

Nach der ersten Grundeigentümerversammlung muss der Gestaltungsplan und somit auch der Quartierplan allenfalls überarbeitet und neu öffentlich aufgelegt werden. Das letzte Wort hat dann die Gemeindeversammlung. «Sollte alles sehr glatt gehen, kann die Abstimmung im Jahr 2017 durchgeführt werden», sagt Zerobin. Für das Gebiet im Oberdorf wird momentan ebenfalls ein neuer Quartierplan ausgearbeitet. Da dieser eng mit der umstrittenen Verkehrsführung in Egg zusammenhängt, will Zerobin noch keine Prognose abgeben, wann erste Resultate vorliegen. «Ein Ingenieurbüro arbeitet daran.»

 

DER GESTALTUNGSPLAN LINDENHOF

Wohnsiedlung von Bäumen geprägt

Ein öffentlicher Gestaltungsplan soll den baurechtlichen Rahmen setzen für eine Überbauung des Gebiets Lindenhof. Dieser sieht vor, dass die drei Inventarobjekte auf dem Gebiet künftig unter Schutz stehen. Im Bereich der bestehenden Bebauung an der Forchstrasse ist eine Aufstockung geplant. Alle Bauten müssen dabei die gleiche Dachform aufweisen. Die zulässige Geschossfläche und die Anzahl Geschosse für Neubauten sind in einer Masstabelle festgelegt. Eine neue Überbauung soll in erster Linie Wohnraum bieten. Möglich wären auch nicht störende Betriebe wie etwa eine Arztpraxis.

Ein einheitliches Gestaltungskonzept ist dabei zentral. Neben einer einheitlichen Materialisierung soll eine identitätsstiftende Rahmenbepflanzung mit Platzbäumen angestrebt werden. Die für den Lindenhof bereits heute prägende Linde bleibt bestehen. Auch für die neuen Innenhöfe ist jeweils mindestens ein prägender Platzbaum vorgesehen. Die Höfe sollen zum Verweilen dienen. In einem der Innenhöfe ist zudem ein pavillonartiger Bau geplant, der der Begegnung der Anwohner dienen könnte.

Eine gemeinsame Tiefgarage zur Verkehrsbefreiung des Quartiers ist vorgesehen. Es wird darauf verzichtet, Labels wie Minergie zu verwenden. Entsprechend Nachhaltigkeit sollen die Neubauten jedoch einen möglichst geringen Heizwärmebedarf aufweisen.