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Vier Zentren und längere Schulwege

ZO/AvU, Malte Aeberli 20.01.2017

Die Gemeinde Egg will in den nächsten 13 Jahren rund 45 Millionen Franken für neue Schulhäuser ausgeben. Die Standorte sollen zentralisiert werden. Das bedeutet für viele Kinder einen längeren Schulweg.

Die Gemeinde Egg plant, ihre Schulinfrastruktur bis 2030 grundlegend zu verändern. Am Mittwochabend orientierte die Gemeinde die Egger an einer Informationsveranstaltung über ihre Pläne. Schulpräsidentin Beatrice Gallin (FDP) wollte ihre Zuhörer mitnehmen auf eine Reise in die Egger Zukunft. Egg werde grösser und brauche deshalb mehr und vor allem flexibleren Schulraum.

«Wir haben heute keinen Frontalunterricht mehr. Unsere Schüler lernen in altersdurchmischten Gruppen oder in Lernwerkstätten. Das stellt grundlegend andere Anforderungen an unsere Räume.» Gallin argumentierte aus pädagogischer Sicht, ihr Sparringspartner, Bauvorstand Silvano Murchini (FDP), betrachtete das Thema aus baulicher und finanzieller Sicht.

Schulhäuser Bützi und Güetli

Aktuell gibt die Gemeinde rund 2,1 Millionen Franken pro Jahr für den Unterhalt ihrer Schulanlagen aus. «Die alten Gebäude genügen den Anforderungen nicht mehr. Eine Instandstellung würde rund 15 Millionen Franken kosten», sagt Murchini und verspricht: Durch die geplanten Neu- und Umbauten könne die Gemeinde pro Jahr rund 600 000 Franken an Unterhaltskosten einsparen. Dafür müsse die Gemeinde aber bereit sein, zunächst mal zu investieren. Geplant sind Gesamtinvestitionen von rund 45 Millionen Franken. Etwa 15 Millionen Franken davon sollen durch den Verkauf der alten Schulhäuser wieder hereingeholt werden.

In einem ersten Schritt soll die Schulanlage Bützi erweitert werden. Dort sollen zwischen 2017 und 2022 eine Dreifachturnhalle mit 60 Parkplätzen und ein modularer Erweiterungsbau für drei Schuleinheiten erstellt werden. Die alte Turnhalle würde umfunktioniert, zum Beispiel für Bibliotheksräume oder Räume für die Musikschule.

Die beiden Primarschulklassen aus Hinteregg werden in einem zweiten Schritt nach Fertigstellung der Erweiterung ins Schulhaus Bützi umziehen. Dort werden dann neu zwölf Schul- und Kindergartenklassen untergebracht sein. Danach wird in einem dritten Schritt das bisherige Schulhaus Güetli saniert und zu einem Kindergarten umgebaut. Anschliessend ziehen die Kindergärtler aus dem Leeacher ins Schulhaus Güetli. Das Grundstück Leeacher wird verkauft.

Luxuriöse Zustände»

Diese Umstellung bringe wohl oder übel längere Schulwege für die Hinteregger Kinder mit sich, erklärte Beatrice Gallin. Mehrere Eltern bedauern diese geplante Veränderung. Eine Mutter sagte: «Jetzt können meine Kinder kaum noch zum Mittagessen nach Hause kommen.» Tagesstrukturen seien schön und gut, aber so würden die Eltern gezwungen, sie in Anspruch zu nehmen. «Ich bin doch zu Hause», sagte eine zweite Mutter konsterniert.

Gallin sah zwar die Bedenken der Mütter, entgegnete aber: Die Gemeinde müsse die Einzelinteressen gegen das Gesamtinteresse abwägen. «Bisher hatten wir luxuriöse Zustände. Die neuen Schulwege sind zumutbar, aber ich verstehe ihren Unmut.» Wie genau der Transport der Schüler organisiert werden solle, stehe im Moment noch nicht fest. «Wir befinden uns noch in der Planungsphase. Mit den Details beschäftigen wir uns, wenn die Projekte konkreter werden.» Für die erste Tranche sind rund 15 Millionen Franken vorgesehen, wobei 7,2 Millionen durch den Verkauf der Liegenschaften wieder hereinkommen sollen.

Grossbaustelle im Zentrum

In der zweiten Etappe soll ab 2022 die Schulanlage im Zentrum auf total 25 Schuleinheiten ausgebaut werden. Dort wird in einem ersten Schritt das alte Dorfschulhaus abgerissen und durch einen vierstöckigen Modulbau ersetzt. In einem zweiten Schritt wird das leer stehende Schulhaus Pfannenstiel B rückgebaut und durch einen weiteren Modulbau ersetzt. Danach verschwindet das Schulhaus Pfannenstiel A und wird durch einen dritten Modulbau ersetzt. Zum Schluss verschwinden auch die beiden Bachtel-Schulhäuser im unteren Teil des Grundstücks. Dort könnte bei Bedarf noch zusätzlicher Schulraum mit Modulbauten ergänzt werden. Bis 2029 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Für diese zweite Bauetappe sind rund 25 Millionen Franken vorgesehen. 5 Millionen Franken sollen durch den Verkauf von Bauland im Oberdorf querfinanziert werden. «Der Schule bleiben durch diese Umgestaltung des Schulraums neue Gestaltungsmöglichkeiten und Platz für ein weiteres Wachstum an den vier Standorten», sagte Murchini.

Die Variable Esslingen

Als letzte Etappe ist Esslingen an der Reihe. Dort besitzt die Gemeinde im Moment drei Liegenschaften: das Grundstück an der Engelstrasse, den Kindergarten Hotzenwiese und die Schulanlage Vogelsang. Die Schulanlage Vogelsang wird das neue Schulzentrum in Esslingen. Auf dem Pausenplatz soll ein modularer Erweiterungsbau Platz für zwei zusätzliche Schuleinheiten bieten. Die Hotzenwiese und das Grundstück an der Engelstrasse sollen veräussert werden.

Diese Etappe sei aktuell ab 2025 geplant, könne aber bei Bedarf nach vorne verschoben werden, erklärt Murchini. In Esslingen sind Investitionen von 5 Millionen geplant. Wobei auch hier eine Querfinanzierung von 2,1 Millionen durch den Verkauf der Hotzenwiese und des Grundstücks an der Engelstrasse vorgesehen ist.

Gibt es eine Steuererhöhung?

Die Frage der Finanzen lasse sich aktuell noch schwer voraussagen, sagte Murchini. Man gehe davon aus, dass die Gemeinde für die Schulraumentwicklung bis 2030 rund 2,4 Millionen Franken pro Jahr brauchen werde. Eine klare Aussage zu allfälligen Steuererhöhungen liess sich Murchini nicht entlocken. «Das ist ein Blick in die Glaskugel», sagte Murchini.

Man habe jetzt die Karten auf den Tisch gelegt. An der nächsten Gemeindeversammlung vom 20. März soll der Planungskredit für die erste Bauetappe um das Schulhaus Bützi und die Dreifachturnhalle behandelt werden. Murchini zeigte sich an der Info-Veranstaltung zuversichtlich: «Wir hoffen, dass uns die Bürger das Vertrauen aussprechen.»