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Leserbrief: «Der Mensch: das grösste Problem auf der Welt»

ZO/AvU, Manfred Kleinert, Uster 12.03.2017

Das grösste Problem auf der Welt ist ein problematisches und existenzielles Problem. Problematisch ist ein Problem, wenn es im herkömmlichen Denkund Handlungsrahmen nicht lösbar ist; und existenziell, wenn die Menschheit in ihrem Fortbestand gefährdet ist. Es geht nicht um einen bevorstehenden Asteroideneinschlag von gigantischem Ausmass, auch nicht um das jüngste Gericht, sondern um uns – wir selbst sind meiner Meinung nach der Grund und die Ursache.

Unsere Wirkung auf die Qualität der Welt ist unter dem Strich negativ, um nicht zu sagen katastrophal. Die Faktenlage ist eindeutig und klar: Wir Menschen – primär wir im Westen – sind das grösste Problem auf der Welt, Störfaktor Nummer 1 und eine existenzielle Gefahr für uns selbst und die gesamte Biosphäre.

Die Vernunft, mit ihrer Wächter- und Richterfunktion über unser Denken und Handeln, tendiert gegen null, und wir leiden zunehmend an geistiger Verzwergung, sittlicher Verwilderung und massloser Habgier. Der Homo sapiens, das sogenannte kluge, einsichtige und vernünftige Wesen, mutiert zum Homo demens suicidium, wird zum Irrläufer der Evolution und sägt sich den Ast ab, auf dem er sitz.

Nicht zukunftsfähig

Die professionellen Kassandrarufer haben zurzeit Hochkonjunktur, und immer mehr Menschen, aus allen Kreisen der Gesellschaft, sind sich bewusst, dass die «Ich-AG im Habenmodus », nach dem Motto: «ich, mich, mein; immer mehr, immer grösser und immer schneller», nicht mehr zeitgemäss und zukunftsfähig ist. So paradox es klingt: Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs. Was Jahrtausende sinnvoll und nützlich war, die permanente positive Rückkopplung, kehrt sich ins Gegenteil und wird zum Bumerang; was einst Füllhorn war, wird zur Büchse der Pandora. Wir haben den Bogen eindeutig überspannt, sind weit über das Ziel hinausgeschossen und stossen an die Grenze des Ökosystems Erde.

Ressourcen-Raubbau

Schätzungsweise 50 Prozent aller Produkte und Dienstleistungen sind überflüssig und könnten, ohne Minderung der Lebensqualität, ersatzlos gestrichen werden. Wir laufen aus dem Ruder, betreiben Raubbau an den Ressourcen und zerstören unsere und aller anderen Lebewesen die Existenzgrundlage. Grundvoraussetzung für den Fortbestand der Menschheit ist die Wahrung der Welt, und das bedingt eine neue Qualität im Denken und Handeln.

Die Zeit ist reif. Reif für eine geistig-kulturelle Transformation und (R)evolution in uns und um uns.