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Geplanter Veloweg ruft Naturschützer auf den Plan

ZO/AvU, Lea Chiapolini 27.06.2018

Zum zweiten Mal liegt in der Gemeinde Egg das Projekt der Radweglückenschliessung in Richtung Zürichsee öffentlich auf. Vor zwei Jahren verpasste George Angehrn, Präsident des Egger Naturschutzvereins, die Einsprachefrist für das erste Projekt. Nun will er sich für eine andere Variante einsetzen.

5.33 Millionen Franken will der Kanton Zürich in die Belagssanierung und Lückenschliessung des Radweges zwischen Egg und Uetikon am See stecken. Damit soll Velofahrern über 1.4 Kilometer eine neue, sichere Veloroute zur Verfügung gestellt werden. Die Kosten für den Veloweg alleine belaufen sich auf rund 2.5 Millionen Franken. Weiter sind Anpassungen an Bachdurchlässen und Kreuzungen geplant, die Erstellung eines begehbaren Kiesbanketts für Wanderer sowie die Verbreiterung des Gehweges.

«Versiegeltes» Land

Vor zwei Jahren lag das Vorprojekt auf. George Angehrn, Präsident des Egger Natur- und Heimatschutzvereins, störte sich bereits damals ob den Plänen des Kantons, verpasste jedoch die Einsprachefrist. Seiner Meinung nach könnte auf die Verbreiterung der Strasse verzichtet und dafür der bestehende Chnolliweg zum Veloweg ausgebaut werden. «Dass die Radweglücke geschlossen werden soll, finde ich eine gute Sache», sagte er bereits Anfang 2017. «Aber in einer Zeit, wo in der Schweiz ein Quadratmeter pro Sekunde verbaut wird, finde ich es zwingend, dort wo es möglich ist, dies zu verlangsamen.» Die wachsende Versiegelung der Böden führe dazu, dass bei Regenfällen Bäche sehr schnell und stark anschwellen, da der Boden seine «Schwammfunktion» nicht wahrnehmen könne. «Der bestehende Chnolliweg ist schon versiegelt, auch wenn nicht mit einer Teerschicht.»

Die vom Kanton geplante Linienführung ist im regionalen Richtplan Pfannenstil seit 1998 vorgesehen. Gemäss Velonetzplan handelt es sich bei dieser Route um eine Alltagsroute. «Diese dienen in erster Linie den Pendlern auf dem Weg zur Arbeit oder Ausbildung», sagt Isabelle Rüegg von der Medienstelle der kantonalen Baudirektion. «Eine Alltagsverbindung muss aus Gründen der Attraktivität den Ausgangspunkt möglichst direkt und sicher mit dem Endpunkt verbinden.» Dass tatsächlich so viele Personen die Route als Arbeitsweg benützen, bezweifelt George Angehrn.

Das Argument der Sicherheit

Seine vorgeschlagene Radwegroute über den Chnolliweg weist laut Rüegg gegenüber der geplanten Variante insbesondere bei der Sicherheit Nachteile auf. «Die Sicherheit ist auf dieser Seitenstrasse abseits der Hauptverkehrsachse zwischen Kulturlandflächen und entlang Waldgebieten nicht optimal», sagt sie. Diese Situation verschlechtere sich zusätzlich in der Nacht. Auch würden sich der landwirtschaftliche Durchgangsverkehr und der Wanderweg auf der alternativ vorgeschlagenen Route negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken. «Hinzu kommt, dass der bauliche und betriebliche Unterhalt eines Radwegs abseits einer Staatsstrasse mit mehr Aufwand und damit höheren Kosten verbunden ist.»

Das Argument der Sicherheit kann George Angehrn nicht nachvollziehen. Die geplante Linienführung über die Meilenerstrasse hätte nach wie vor das Problem des Unfallschwerpunktes der Kreuzung Berg-/Meilenerstrasse. Gemäss der Unfallstatistik der Kantonspolizei ereigneten sich in den Jahren 2011 bis 2015 an diesem Ort 26 Unfälle. «Mit der Führung über den Chnolliweg würden die Velofahrer aus dem Gefahrenbereich der Autos geholt», sagt Angehrn.

Rodung nötig

Für das erste Projekt der Radweglückenschliessung habe man bereits die Variante «Chnolliweg» geprüft und verworfen, hiess es schon im Januar 2017 vom Kanton. Trotzdem will George Angehrn nun die Chance nutzen und Einsprache erheben. «Mein Anliegen werde ich auch noch dem Egger Gemeinderat präsentieren», sagt er. 
Dieser hatte die Schliessung der Radweglücke begrüsst, bat jedoch darum, vom Kanton geplante Stützmauern entlang dem Radweg zu überdenken und eine ortsbildverträglichere Lösung zu finden. Laut Isabelle Rüegg von der kantonalen Baudirektion konnte in diesem Fall eine neue Variante ausgearbeitet werden. Das neue Projekt koste zwar rund eine Million Franken mehr als das Vorprojekt. Diese Kosten fliessen aber unter anderem auch in Naturschutzprojekte, so wird etwa der Chalenbach aufgewertet. Zwar müssen für den neuen Radweg auch insgesamt 417 Quadratmeter gerodet werden, 94 davon würden aber an Ort und Stelle wieder aufgeforstet. Die definitiven Rodungen (323 Quadratmeter) werden gemäss technischem Bericht in unmittelbarer Umgebung durch geeignete Ersatzflächen kompensiert. 
Doch dies ist nur ein kleiner Trost für Naturschützer George Angehrn. «Mit der Radwegführung über den Chnolliweg müssten diese 323 Quadratmeter gar nicht erst gerodet werden.» Für ihn ist klar, dass er Einsprache gegen das Projekt einlegen wird.