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«Eine grosse Chance für unser Dorf»

ZU/AvU, Jennifer Furer 10.11.2018

An einer Info-Veranstaltung wurde am Donnerstagabend der Gestaltungsplan Pünt der Egger Bevölkerung vorgestellt. Dabei standen auch invasive Pflanzenarten und Flachdächer im Zentrum der Diskussion.

Bis auf den letzten Platz war der Hirschensaal am Donnerstagabend gefüllt. Was mit der zentrumsnahen Siedlung Pünt künftig passiert, scheint die Egger offensichtlich zu interessieren. Als Monique Rijks, Mitinhaberin der Kommunikationsagentur S2R, die Veranstaltung mit den Worten «Wir sind fast so pünktlich wie die ‹Tagesschau›» eröffnete, trudelten immer noch Leute in den Saal, der Platz für etwas mehr als 50 Leute bot.

Das 20’000 Quadratmeter grosse Areal Pünt, um das es an der Info-Veranstaltung ging, befinde sich an einer wichtigen Lage und sei «eine Visitenkarte von Egg», sagte Rijks und begründete damit das hohe Interesse am Thema. Derzeit befinden sich 13 Gebäude mit 150 Wohnungen auf dem Areal. Sie gehören verschiedenen Eigentümern, darunter die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund (SGE). Sie ist die einzige Partei, die Interesse hat, auf dem Areal zu bauen respektive ihre alten Gebäude abzureissen und Neubauten zu erstellen.

Von Privaten initiiert

«Der private Gestaltungsplan ist kein Bauprojekt, sondern ein Regelwerk, das bestimmt, was auf dem Gebiet Pünt passieren darf», erläuterte Lukas Schmid, Vorstandsmitglied der SGE. Er sei nicht von der Gemeinde, sondern von den Eigentümern initiiert worden. Die SGE habe den Gestaltungsplan vor sechs Jahren angestossen, weil Ersatzneubauten in diesem oder ähnlichem Mass, wie sie heute auf dem Areal stehen würden, nur dadurch möglich wären und eine Sanierung ein schlechtes Kosten-Nutzen- Verhältnis aufweise. Und die Wohnblöcke der Genossenschaft seien nun einmal stark sanierungsbedürftig, so Schmid.

Würden die Neubauten ohne Gestaltungsplan erstellt, müsste die SGE nach anderen Vorschriften bauen. Konkret so, wie, es die Bau- und Zonenordnung vorschreibt. Die Krux: So könnte die Genossenschaft weniger Wohnfläche bauen, als ihr heute zur Verfügung steht. «Wir als Genossenschaft können und wollen nicht einfach ein paar Luxuswohnungen hinstellen, sondern vergleichsweise günstigen Wohnraum für viele bieten», so Schmid. Ein Gestaltungsplan, der demokratisch abgesegnet ist, habe den Vorteil, dass er es ermöglicht, ein Areal anders zu überbauen, als von der Bauund Zonenordnung vorgesehen. «Deshalb muss der Gestaltungsplan aber auch einen übergeordneten Wert haben und besonders gut gestaltet sein», merkte Britta Bökenkamp vom Planungsbüro Planzeit, welches das gesamte Verfahren begleitet und koordiniert.

Richtplan als Idealfall

Um eine ungefähre Vorstellung zu haben, wie das Areal umgenutzt werden kann, präsentierte Bökenkamp das Richtprojekt. Dieses bildet die Grundlage des Gestaltungsplans und dient als Schemata, wie die Gebäude künftig angeordnet werden. Darauf zu sehen war, dass die Häuser im Vergleich zu heute breiter gebaut werden sollen, dafür zum Teil aber tiefer. Sie weisen vier oder fünf Stockwerke auf.

«Der Richtplan ist aber nur der Idealfall, der in Jahrzehnten und nicht Jahren realisiert wird», so Bökenkamp. Denn nicht alle Eigentümer würden bauen wollen. In der ersten Etappe, die frühestens 2022 erfolgt, werden drei Gebäude der SGE neu gebaut. Die mögliche zweite Etappe, die noch keinesfalls konkret sei, sei die Erneuerung von drei weiteren Gebäuden, die die SGE erst kürzlich von einer Pensionskasse erworben habe. Und die dritte Etappe sei der Neubau von weiteren Häusern, die anderen privaten Eigentümern gehöre.

Gebäude als Lärmschutz

An der Veranstaltung kamen auch Egger zu Wort, mit denen die Gestaltungsplan-Verantwortlichen vor der Info-Veranstaltung Kontakt aufgenommen haben, um ihre Meinung dazu zu hören. So auch Katharina Kunz von der Gruppe Transparenz in der Politik. Sie sprach das Thema Verdichtung an und sagte, dass sie gegen eine massive Verdichtung und «Klötzen mit engen Zwischenräumen» sei.

Lukas Schmid von der SGE sagte dazu, dass dies in der Testplanung ein grosses Thema gewesen sei und man darauf achte, etwas Qualitätsvolles mit grosszügigen Aussenräume zu schaffen. Es sei aber tatsächlich so, dass die Ausnützung höher und die Blöcke breiter sein würden. «Das hat aber auch den Vorteil, dass jene Gebäude an der Forchstrasse den Lärm besser abfedern. » So böten Aussenräume und Grünflächen in der Siedlung bessere Lebensqualität und mehr Ruhe als jetzt. «Was wir aber sicher nicht wollen, ist eine Burg auf das Areal zu stellen», sagte Schmid.

Ein Architekt aus Egg merkte dann noch an, dass er die Flachdächer, die geplant sind, nicht so schön finde. «Unsere Vorfahren bauten Häuser, wir bauen Kisten », sagte er. Wenn er vom Pfannenstiel runterschaue, wolle er keine Kistenlandschaft sehen. Bökenkamp vom Planungsbüro entgegnete, dass diese Ansicht sehr subjektiv sei und sich die geplanten Gebäude, Flachdächer eignen würden. Schmid ergänzte, dass man die Flachdächer auch begrünen könnte. Ein anderer Anwohner äusserte dann Bedenken, dass sich invasive Pflanzenarten auf diesen Flachdächern breitmachen könnten. Schmid sagte dazu, dass es eine Philosophie der Genossenschaft sei, in den Aussenräumen und auf den Dächern einheimische Pflanzen anzubauen.

«Hören uns Wünsche an»

An der Info-Veranstaltung vertreten war auch die Gemeinde mit Bauvorsteherin Bettina Baumgartner (FDP) und Bausekretär Robert Rupp. «Der Gestaltungsplan ist ein Glücksfall und eine grosse Chance für Egg», sagte Baumgartner. So könne auf dem Areal zeitgemäss, altersgerecht gebaut werden und es entstünden neue bezahlbare Wohnungen.

Was denn bezahlbar bedeute, wollte ein Votant wissen. Lukas Schmid von der Genossenschaft sagte: «Da wir noch kein Bauprojekt haben, kann ich das nicht konkret sagten. Das Ziel ist es aber, das wir uns in der Marktmitte positionieren.» Genossenschaften seien darauf ausgelegt, keinen Gewinn mit Wohnungen zu erwirtschaften.

Schmid betonte auch, dass, wenn der Gestaltungsplan am 3. Dezember an der Gemeindeversammlung angenommen würde, die Bedürfnisse der Egger in die Planung einbezogen würden. «Es gibt Flächen im Erdgeschoss bei den Wohnungen, die zur Forchstrasse ausgerichtet sind, die sich nicht als Wohnraum eignen. Hier werden wir einen Mehrwert fürs Quartier, aber auch für Egg schaffen.» Ob Gewerbe oder etwas anderes darin einziehen wird, lasse man offen. Schmid: «Wir hören uns an, was gewünscht wird.»

Zum Abschluss erklärte Schmid, dass man trotzdem sanieren müsse, auch wenn der Gestaltungsplan nicht angenommen werde. «Um eine Sanierung kommen wir nicht herum. Da dies aber sehr teuer wird, werden die Mieten auch ansteigen, und die Bewohner müssten wahrscheinlich kurzfristig ausziehen.»