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Die «Spange» soll aus dem kantonalen Richtplan gestrichen werden

ZO/AvU, Jennifer Furer 13.02.2019

Das Kapitel «Ortsdurchfahrt Egg» dürfte demnächst endgültig abgeschlossen werden. Das letzte Wort hat der Kantonsrat.

Die Verkehrsführung in Egg sorgte über Jahre hinweg für erhitzte Gemüter und einen heftigen Schlagabtausch. Zwei Vorschläge standen zur Debatte: die «Ortskernumfahrung oberirdisch» – im Volksmund auch «Spange» genannt – und die Variante «Verkehr durch das Zentrum». Bei der ersten Vorlage, die vom Gemeinderat gestützt wurde, hätte der Verkehr von der Forchstrasse über einen neuen Strassenabschnitt im Oberdorf umgeleitet werden sollen. Die zweite Variante sah vor, den Durchgangsverkehr auf der Achse Meilen–Egg–Uster weiterhin über die Forchstrasse abzuwickeln. In einer Urnenabstimmung 2014 lehnte die Bevölkerung beide vorgeschlagenen Möglichkeiten ab. Damit war klar, dass die Führung des Durchgangsverkehrs weiterhin über die Forchstrasse mit Anpassungen erfolgte.

Nach der Abstimmung wurden bei den Gegnern der «Ortskernumfahrung oberirdisch» Stimmen laut, dass der Gemeinderat die Baulinie für die «Spange» aus dem kantonalen Richtplan streichen soll. Diese war seit 1978 darin verankert und sah eine 450 Meter lange Strasse, die neue Meilenerstrasse, vor. 350 Meter davon sind bereits gebaut. Die restlichen 150 Meter werden wegen des Volksentscheids wohl nie erstellt.

Streichung beantragt

Der Forderung der «Spange»- Gegner will der Gemeinderat nun nachkommen: Die «Ortsdurchfahrt Egg» soll nun definitiv aus dem kantonalen Richtplan verschwinden. Tobias Zerobin, Gemeindeschreiber von Egg, bestätigt, dass die Gemeinde eine entsprechende Streichung der Ortsdurchfahrt Egg beim Kanton nicht bekämpfen wird. «Es ist eine logische Konsequenz der Urnenabstimmung», sagt er.

Zuerst muss der Kantonsrat über die Aufhebung der Baulinie aus dem kantonalen Richtplan entscheiden. Dagegen können keine Rechtsmittel mehr ergriffen werden. Dass die Streichung erfolgt, ist vermutlich also nur noch Formsache. Denn die vorberatende zuständige Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt hat die Aufhebung bereits einstimmig beantragt. Wann der Kantonsrat darüber befinden wird, ist noch nicht klar.

Für Katharina Kunz, die mit der IG Ortsdurchfahrt Egg an vorderster Front gegen die «Spange» und somit gegen die Präferenz des Gemeinderats gekämpft hat, ist die Streichung der Baulinie der Schlusspunkt einer jahrelangen emotionalen Auseinandersetzung. «Der Plan der Ortsdurchfahrt Egg durchs Oberdorf ist für mich aber erst wirklich abgeschlossen, wenn sie final aus dem kantonalen Richtplan gestrichen wird.» Die Diskussion um die Gestaltung der Verkehrsführung in der Pfannenstielgemeinde sei aber damit noch längst nicht abgeschlossen.

Für Kunz steht weiter die Frage im Raum, welche Massnahmen auf der Forchstrasse erfolgen könnten, um das Zentrum attraktiv und die Strasse neben Autofahrern auch für andere Verkehrsteilnehmer sicher zu gestalten. Bis eine definitive Lösung in Form einer grossräumigen Umfahrung, wie sie der Gemeinderat vorschlägt, für die Egger Verkehrsführung vorliegt, wird der gesamte Durchgangsverkehr auf der Achse Meilen–Egg–Uster auf der Forchstrasse abgewickelt. «Eine befriedigende Koexistenz aller auf dieser Strasse kann meiner Meinung nach bereits schon durch eine Temporeduktion von 50 auf 30 Kilometer pro Stunde im Zentrumsbereich erreicht werden. Das erhöht die Sicherheit von allen Verkehrsteilnehmern, minimiert den Lärm und verbessert sogar noch den Durchfluss für den Durchgangsverkehr.»

Grossräumige Umfahrung

Auch die Debatte um die Entlastung vom Durchgangsverkehr sei noch nicht abgeschlossen, so Kunz. Für sie mache es Sinn, wenn die Forchautobahn einbezogen würde. «Sie könnte Teil der Lösung sein. Ein Vorteil ist, dass diese bereits existiert und nicht extra eine Umfahrungsstrasse im Grünen gebaut werden muss.»

Auch für Gemeindeschreiber Zerobin ist klar, dass es langfristig eine Lösung braucht, um zu verhindern, dass der Durchgangsverkehr über Egg abgewickelt wird. «Eine grossräumige Umfahrung war schon immer das Ziel des Gemeinderats.» Wie diese Verkehrsführung konkret aussehen solle und wie die anliegenden Gemeinden einbezogen werden sollten, sei noch unklar.

Fakt ist: Für diese grossräumige Umfahrung bräuchte es erneut einen Eintrag im kantonalen Richtplan. Dies hat der Gemeinderat bereits beantragt. «Das ist jedoch ein jahrelanger Prozess, bis eine Lösung auf dem Tisch liegt, die kantonal verankert ist», sagt Zerobin.